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Die da oben! Theater im Delphi (c) Matth

Die da oben!

ein Chor/al

Text & Regie Heiko Michels - Komposition Sir Henry - Theater im Delphi

 Wer sind sie, „die da oben“? Wolkige Verschwörungsgötter oder reale Tech-Konzerne? Ein zeitgenössischer Tragödienchor, verlassen von Dramenhandlung und ihren Figuren, geht auf die Suche nach Schuld und Entlastung in den Krisen unserer Zeit. Er findet vereinsamte Menschen mit himmelschreienden Erzählungen. Beim Blick in den Theaterhimmel erscheinen die singenden Star-Link Sterne Elon Musks. Oder: vor Schreck gebiert man eine 1-köpfige Hydra mit tausend Füßen.
DIE DA OBEN ist ein leibliches Oratorium mit 15-köpfigen Sprach- und Gesangschor.

IM THEATRUM MUNDI (Akt I) blickt ein Chor einer andere Menge in die Augen – dem Publikum. In der Blase des Berliner Theaterhimmels bilden sie eine Komplizenschaft: „kein Oben, kein Unten – wir sind eine Sphäre.“ Der Blick weitet sich auf die Landschaften Ostdeutschlands – man findet sich eins und wieder in dem Gefühl, den Boden unter den Füßen zu verlieren. Doch gleichzeitig wächst die Erkenntnis: man ist mehr und mehr zuschauend, passiv, Publikum des Weltgeschehens. Im Versuch aktiv zu werden, zu handeln, zerreißt die Blase.  

IM JAMMERTAL (Akt II) verweben sich Klagen der Vereinzelten, die mit Corona, Krieg und Klimakrise erodierten, zu einem immersiven Klangteppich. Ihnen wohnt das Jammern inne, wie der Impuls zum Handeln, das unentwegte Stolpern, Wiederaufstehen, die Suche nach Lösung, Schuld und Sündenbock. Gegensätzlichste Erzählungen zwischen Klimaangst, wertkonservativen Versprechen, New-Age-Erlösungen, Stadtfluchtphantasien oder Wokeness-Skepsis verdichten sich vom seriellen Rieseln über aggressive Rhythmen zur existentiellen Wehklage. Final flieht der überforderte Blick des Chores die Erde, richtet sich auf die Sterne.  

AM HIMMEL (Akt III) erscheinen jetzt die Geister, die man rief. Empörung und Entlastungsdruck gebären Ungeheuer: Unter neu gesampelten Chören des 15. Jh. (Spem in Alium by Thomas Tallis) tritt eine reverse Hydra auf, deren tausend Füße im Versuch, die Hydra zu köpfen, sich selbst zerstückeln, nicht sehen, dass diese Hydra nur einen einzigen Kopf hat. Das Schwert zielt auf den vermeintlichen Doppelkopf, schlägt daneben, tötet den Nachbarn. Parallel gerät das reale Rauschen des Äthers aus dem All ins Wortgefecht mit irdischen Verschwörungsnebeln. Und die singenden Star-Link-Sterne des Elon-Musk-Imperiums versprechen ewige Nähe und nähen den Himmel zu.    

Fotos: Joe Doe Potography & Design & Matthias Richter

Performende:
Christoph Gerz

Emilia Lomakova

Liz Erber

Marc Weiser

Sir Henry

Thomas Gerber

Heiko Michels

Mitglieder des Lichtenradener Gospelchors

Kostüme:
Mido Kawamura

Tondesign:

Philipp Kullen

 

Lichtdesign:

Marc Bodenbach

Gäste des Podiumsgesprächs:
Guillaume Paoli, Luise Meier, Per Leo

 

Layout:
Paula Bogati

 

PR:
Kerstin Böttcher

Produktion:
Annika Stadler, Heiko Michels

 

Regie- und Produktionsassistenz:

Lily Kuhlmann

 

Komposition:
Sir Henry

Text & Regie:
Heiko Michels

Uraufführung
5. | 6. | 7. Dezember 2025
Theater im Delphi Berlin

Gefördert aus Mitteln des Landes Berlin / Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt.​​

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Layout: Paula Bogati

Videoschnipsel by Matthias Richter. Vollmitschnitt auf Anfrage.

Ein neuer Himmel entsteht. Unter dem Druck multipler Krisen projizieren sich Ängste, Schuldzuweisungen und Verantwortungen in eine neo-mythologische Sphäre aus Verschwörungsgeschichten, Echsenpolitiker*innen und technokratischen Bildfantasien. Alles, was Verstand und Wohlbefinden überfordert, wird von einem wachsenden Bevölkerungsanteil in eine wolkige Verstrickung „irgendwo da oben“ ausgelagert.
 

Doch da ist auch ein ganz reales neues Oben: Algorithmen, Messages, Werbeslogans oder Deepfake-Kampagnen rasen immer schneller über unsere Köpfe hinweg und beeinflussen unser Handeln. Die Abstraktion von Verwaltungen als Dach unserer Demokratien ist für den Einzelnen schwer fassbar, scheint sich zu verselbstständigen. Und das Vermögen der Superreichen entschwindet jedem Vorstellungsvermögen.


„Die da oben!“ hat sich in laboralen Proben mit diesen akuten Entwicklungen mit einem Team interdisziplinärer Performer*innen auseinandergesetzt, spiegelt diese Himmel, diese paradox-dissonante Doppelsphäre in aller Vulnerabilität und Widersprüchlichkeit.

Impulsgedanke

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